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Juristisches

Speedflying 2008

Rechtslage und Ausbildung

Recht ist, was auf der anderen Seite der Berge Unrecht ist – so könnte man zu Beginn des Winters 07/08 die offizielle Rechtslage in punkto Speedflying beschreiben.

In Deutschland fällt Speedflying nach Informationen der Behörden BMV und LBA nicht unter das Luftrecht, sofern die Betriebsgrenze für Luftsportgeräte von 30 Meter Bodenabstand eingehalten wird. Für die in den Startlöchern stehenden Ausbildungszentren und die Speedflying-interessierten Sportler stellt dies zwar keine 100 % zufriedenstellende Regelung, aber zumindest einen Orientierungsrahmen dar. Für „Big runs" von hohen Bergen – die wohl faszinierendste Facette des Sports – ist sie allerdings unbefriedigend. Und auch die Versicherungssituation lässt Fragen offen.
In punkto Ausbildung hat im vergangenen Jahr ein Experten-Team des Deutsch-Österreichischen Speedflying-Verband einen detaillierten Schulungsplan erarbeitet. Er führt Speedflyingnovizen und Gleitschirm-erfahrene Rider in fünf Stufen an den Sport heran - je nach individuellem Können bis zum Level V, dem alpinen „open mountain speedrider" – analog dem „open water diver" beim Tauchen. Ein solcher Level V-Speedflyer muss neben fundierten praktischen und theoretischen Kenntnissen aller Facetten des Speedflying-Sports auch solide alpinistische Kenntnisse besitzen. Im Rahmen der Level I bis II ermöglicht das Ausbildungskonzept aber auch Einsteigern ohne Gleitschirm-Vorkenntnissen einen sicheren Start.

Im rechtslosen Raum riden Speedflyer derzeit in Österreich – zumindest, solange keine nach den bestehenden Vorschriften für Luftsportgeräte zugelassene Ausrüstung am Markt erhältlich ist. Regelte der frühere „Erlass des Bundesministeriums für Verkehr/Oberste Zivilluftfahrtbehörde über Hängegleiter und Paragleiter", dass „Selbstgleiterdrachen und dergleichen Geräte bis zu einer Höhe von 30 Meter über Grund ohne die gesetzlich vorgesehenen luftfahrtbehördlichen Bewilligungen zu dulden sind", sind in Österreich heute sämtliche Luftfahrzeuge – theoretisch also sogar Surf- und Snowkites – zulassungspflichtig. Laut Auskunft des Österreichischen Aeroclubs (ÖAeC) handelt es sich bei Speedflying „um eine Untergruppierung des Gleitschirmflugsportes. Vorraussetzung, um diesen Gleitschirm lenken zu dürfen, ist, dass der Pilot über die erforderliche Berechtigung zum Steuern eines Paragleiters besitzt und das Luftfahrzeug auch als solches zugelassen worden ist. Unter Zugrundelegung, dass es zugelassene Geräte gibt, ist eine Ausbildung in einer dafür zugelassenen Flugschule möglich und darf entsprechend der luftfahrtrechtlichen Bestimmungen erfolgen". Bislang gibt es nur wenige Schulen, die dennoch in der Ausbildung aktiv sind.

Diametral ist die Lage in der Schweiz. Dort fällt Speedflying nach einem Entscheid des BAZL unter das Luftrecht und damit in die Zuständigkeit des SHV. Aufgeschreckt durch Unfälle im vergangenen Winter haben die SHV-Verantwortlichen für die Saison 07/08 ein striktes Regelwerk erarbeitet. Durfte im Winter 06/07 noch jeder Pilot mit gültiger Gleitschirm-Lizenz und -Haftpflichtversicherung loslegen, sofern er Luftrecht, Gelände- und Naturschutzauflagen beachtet, wird ab 1.1.08 eine erweiterte Speedflying-Lizenz Pflicht. Diese baut auf der Schweizer Gleitschirm-Lizenz auf und darf nur von speziell ausgebildeten Fluglehrern mit dem Zertifikat „Speedflying-Instruktor" erteilt werden. Die Kursinhalte waren bei Redaktionsschluss noch in Bearbeitung.
Das beim Gleitschirm anerkannte Gastflugrecht für ausländische Piloten gilt nach Auskunft des Schweizer Speedflying-Protagonisten Daniel Kalberer bis auf weiteres für Speedflying und die entsprechende Ausbildung nicht. Die Haltung der meisten Liftbetreiber gegenüber dem jungen Sport beurteilt er als „abwartend bis skeptisch – die kleine Gruppe der Speedflyer hat für die Seilbahnen keine wirtschaftliche Bedeutung".